Nach Anti-Rassismus-Demo: Hamburger Polizei unter dem Vorwurf von rassistischer Gewalt

Nach der Anti-Rassismus-Demonstration am 6. Juni waren auch Kinder und Jugendliche nahe des Jungfernstiegs eingekesselt und über Stunden hinweg festgehalten worden, 36 Personen wurden in Gewahrsam genommen.

Die Polizei gab für den Einsatz Verstöße gegen die in der Corona-Pandemie geltenden Abstandsregeln an, während Augenzeugen von rassistischer Polizeigewalt sprechen: Die meisten Festgehaltenen hätten einen Migrationshintergrund gehabt und unter den Betroffenen seien zudem viele Minderjährige gewesen. Sie hätten zum Teil bis in die frühen Morgenstunden auf einer Polizeiwache bleiben müssen und hätten nicht telefonieren dürfen.

Zeit-Online berichtet am 8. Juni 2020 über zwei junge Frauen, die von der Polizei am Hauptbahnhof festgenommen wurden. Die beiden hatten die Kundgebung am Rathausplatz gegen 18 Uhr verlassen und wollten sich am Hauptbahnhof Lebensmittel kaufen. Sie gerieten am Steintordamm in die Verhaftungs-Aktion der Polizei, wurden an die Wand gedrückt und mussten die Hände heben, sich fotografieren lassen und lange an Ort und Stelle bleiben.
Später wurden sie nach eigenen Angaben auf das Polizeikommissariat in Billstedt gebracht. Eine der beiden berichtet, dass sie dort in Unterwäsche fotografiert wurde. Erst gegen zwei Uhr nachts wurden die Frauen freigelassen.

Die Hamburger Aktivistin Emily Laquer:
Der Abend wäre ruhig verlaufen, hätte die Polizei sich zurückgehalten, statt zu eskalieren. Dass Jugendliche durch die Stadt gejagt, mit erhobenen Händen an die Wand gestellt und festgenommen werden, dafür gibt es keine Rechtfertigung.
Es ist ein Skandal, dass Jugendlichen, die in Hamburg gegen rassistische Polizeigewalt demonstrieren, genau das angetan wird. Ich will wissen, wer zur Hölle für diesen rassistischen Polizeieinsatz verantwortlich ist. Und warum, verdammt, er noch nicht suspendiert ist.“ (Quelle: Heise Telepolis, s.u.)

Heises Telepolis druckt hier weitere Interviews mit Betroffenen ab.