Corona-App: „Merken die eigentlich nicht, wie viel Vertrauen sie jetzt schon verloren haben?!“

Fefe schreibt am 18. Juni 2020 in seinem Blog* weiter: „Ein Argument dafür, dass es bei der Corona-App nicht um Corona sondern um Industrieförderung geht, ist ja ein kurzer Blick auf unsere Nachbarländer in der EU. Jedes Land lässt da gerade für teuer Geld eine App entwickeln, die im Wesentlichen dasselbe macht wie die Apps der anderen Länder.

Also plus-minus Überwachungsstaat-Zentralisierung in Frankreich jetzt. Aber so mal grob kann man das so sagen. Wenn es um Corona ginge, hätte man da auch einfach einen entwickeln lassen können und alle anderen nehmen das dann. Ist ja bei Open Source auch lizenztechnisch kein Problem.

Ich als ewiger Optimist hoffe aber trotzdem, dass die App versehentlich auch gegen Covid-19 hilft. Von der Akzeptanz her sieht die App ja gar nicht mal so schlecht aus mit inzwischen angeblich knapp 10 Mio Installationen. Und das trotz aktueller Meldungen wie dieser, dass die Geheimdienste jetzt endlich Staatstrojaner-Befugnis bekommen sollen. Das würde ja eher dagegen sprechen, irgendwelchen Apps irgendwelcher Behörden zu vertrauen.

Update: Einen Punkt würde ich an dieser Stelle noch gerne machen. Open Source ist schön und gut, aber nicht hinreichend. Wer sagt denn, dass die App, die man aus dem App Store installiert kriegt, auch aus dem Quellcode kommt? Eigentlich müsst jeder von euch selber aus dem offenen Quellcode die App bauen und auf sein Telefon spielen, was aber natürlich Google und Apple nicht zulassen, weil die ja gerne ihr parasitäres App-Store-Schutzgeldgeschäftsmodell (“Schöne App haben Sie da! Wäre ja schade, wenn die Leute die gar nicht installieren können! Geben Sie uns mal 30% Ihres Umsatzes!“) weiter fahren möchten. Und das geht ja nicht, wenn sich die Leute selber Apps installieren dürfen! Wieso hat das eigentlich das Kartellamt noch nicht unterbunden?”

*Fefes Blog ist ein Watchblog des deutschen IT-Sicherheitsexperten, IT-Unternehmers und CCC-Urgesteins Felix von Leitner, Spitzname Fefe. Seit der Gründung 2005 kommentiert von Leitner dort vorwiegend das Zeitgeschehen, aber auch Software-Sicherheitsprobleme und Leaks.