Aus dem Coronavirus-Sozialnewsblog von Hinz&Kunzt

Nach zwei Monaten stellt Hinz&Kunzt den Sozialnewsblog zur Coronaviruspandemie vorerst wieder ein. Die Nachrichtenlage ist wieder übersichtlicher geworden und H&K widmet sich der aktuellen Lage wieder wie gewohnt in kritischen Meldungen im Onlinemagazin. Vielen Dank fürs Lesen!

30. April 2020: Wer seit mehr als vier Monaten arbeitslos ist, erhält in der Coronakrise drei Monate länger Arbeitslosengeld I. Das Bundeskabinett billigte gestern ein neues Sozialpaket, mit dem zudem auch das Kurzarbeitergeld auf bis zu 87 Prozent steigen kann. Ab dem vierten Monat werden 70 statt bislang 60 Prozent des entgangenen Nettolohns ersetzt. Ab dem siebten Monat steigt der Satz auf 80 Prozent – für Eltern auf 87 Prozent. Verlängertes Arbeitslosengeld wiederum erhalten diejenigen, deren Anspruch zwischen Mai und Dezember 2020 nach der bisherigen Regelungen auslaufen würde.
So gut wie keine zusätzliche Hilfe gibt es hingegen für Menschen, die bereits länger als ein Jahr arbeitslos sind. Eine Aufstockung des Arbeitslosengeld II wie von Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften und Sozialverband Deutschland gefordert, wird es nicht geben.

29. April 2020: Anlässlich des internationalen Tages der gewaltfreien Erziehung am 30. April warnt der Kinderschutzbund vor den Auswirkungen der Corona-Einschränkungen. Konkrete Hilfe bei Problemen und Konfliktlagen in der Familie bieten Beratungsstellen in Hamburg am 30. April mit einem speziellen „Tag des offenen Telefons“.

27. April 2020: Der Bundesverband der Tafeln warnt vor einem dramatischen Anstieg der sozialen Not durch die Corona-Pandemie. Aufgrund von Jobverlusten und Kurzarbeit seien schon jetzt Tausende zusätzliche Menschen auf die Versorgung mit gespendeten Lebensmitteln angewiesen.

24. April 2020: In den Hamburger Kitas wird künftig ein Mittagessen zur Abholung angeboten. Wegen der Corona-Krise findet in den Hamburger Kitas momentan nur eine Notbetreuung statt ohne das gewohnte Mittagessen in der Tagesstätte für viele Kinder. Spätestens ab dem 15. Mai soll das Angebot in allen Kitas zur Verfügung stehen. Nach Angaben der Sozialbehörde sollen bis zu 90.000 Kinder von der Maßnahme profitieren.

24. April 2020: Wegen der Corona-Pandemie ist die Lagerhalle von Hanseatic Help an der großen Elbstraße seit Wochen geschlossen, Spenden konnten nicht mehr abgegeben werden. Um die Lager wieder aufzufüllen, startet Hanseatic Help eine mobile Spendenannahme. Am Sonntag, den 26. April, stellen sie zwischen 11 und 15 Uhr Spendencontainer vor der Rindermarkthalle auf. Besonders gefragt sind Männerbekleidung, Schlafsäcke und Decken.

23. April 2020: Der Hamburger Flüchtlingsrat fordert Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) auf, Angehörige von Risikogruppen wegen der Corona-Pandemie aus den Zentralen Erstaufnahmen zu evakuieren. „Den Geflüchteten müssen sofort Wohnungen zugeteilt und die notwenige Unterstützung zu ihrem Schutz muss gewährleistet werden“, heißt es in einer Pressemitteilung.

21. April 2020: Die Initiative #OpenTheHotelsHamburg hat der Sozialbehörde vorgeworfen, „Geflüchtete weiterhin im Stich“ zu lassen. Die Behörde habe auf den Vorschlag der Initiative, obdachlose Geflüchtete und Papierlose in Hotels unterzubringen, nicht reagiert.

21. April 2020: Trotz der Coronakrise hat die Saga im April weiterhin Mieten angehobenentgegen anderer Ankündigung. Nur in den Monaten Mai und Juni wird das städtische Wohnungsunternehmen Mieterhöhungen aussetzen.

20. April 2020: Das Studierendenwerk Hamburg hat die Beantragung des zinslosen Darlehens für Studierende, die sich durch die Corona-Pandemie in einer finanziellen Notlage befinden, gestartet. Studierende können für April, Mai und Juni jeweils 400 Euro Unterstützung auf der Homepage des Studierendenwerks beantragen.

8. April 2020: Das wohl größte zusätzliche Hilfsprogramm für Obdachlose der vergangenen Jahre startete am 6. April: Hinz&Kunzt und die Tagesaufenthaltstätte Alimaus bringen zusammen mit der Diakonie Hamburg in den kommenden Tagen bis zu 250 Obdachlose in Hotelzimmern unter.

8. April 2020: 60 Plätze für von Obdachlosigkeit bedrohte Sexarbeiter*innen – damit reagiert die Sozialbehörde auf die schwierige soziale Lage für Sexarbeiter*innen. Prostitutionsangebote sind in Hamburg aufgrund des Corona-Virus momentan verboten, wegen des wegfallenden Einkommens stehe ihnen teilweise keine Unterkunft mehr zur Verfügung. Die Verteilung der Plätze in einer zentral gelegenen Unterkunft erfolgt über die Fachberatungsstelle Prostitution der Diakonie Hamburg, den Verein Ragazza, das BASIS-Projekt des Trägers Basis und Woge und das Fachamt Beratungen, Erlaubnisse und Anmeldung nach dem Prostituiertenschutzgesetz im Bezirksamt Altona.

7. April 2020: Am 14. April startet der Hamburger Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) gemeinsam mit der Hamburger Tafel eine mobile Lebensmittelausgabe. In den letzten Wochen wurden tausende Lebensmittelpakete gepackt, der ASB Hamburg sorgt nun dafür, dass diese Pakete an die fünf mobilen Standorte in Barmbek, Bergedorf (zwei Stellen), in Eimsbüttel und in Niendorf gebracht und ausgegeben werden. Kund*innen von geschlossenen Lebensmittelausgaben können sich ab sofort unter 040 – 833 981600 oder unter lebensmittelausgabe@asb-hamburg.de anmelden.

6. April 2020: Mehr finanzielle Unterstützung für Obdachlose fordert jetzt auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DstGB). In welche Bereiche die finanzielle Hilfe fließen soll, dafür hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohungslosenhilfe (BAG W) jetzt ein Zehn-Punkte-Sofortprogramm vorgelegt: https://www.bagw.de/de/neues~182.html

3. April 2020: Auch Bremen macht es vor und mietet Hotel- und Jugendherbergszimmer für Obdachlose und Geflüchtete an, die Hamburger Sozialbehörde hingegen hält sich noch zurück. Rund 35.000 Menschen leben in öffentlich-rechtlicher Unterbringung. Stand 2. April waren 32 der Bewohner*innen am Coronavirus erkrankt. Laut Sozialbehörde gibt es bislang in den Unterkünften ausreichend Platz, erkrankte von gesunden Menschen zu isolieren.

3. April 2020: Im Arrivati Park am Neuen Pferdemarkt hat die Stadtteilinitiative Wohl oder Übel Wäscheleinen gespannt, an die sie mehrfach am Tag gut verpackte Spenden für Obdachlose hängen: https://www.facebook.com/Arrivati-onlein-106965227621946/. Nach dem Vorbild des Hamburger Gabenzauns am Hauptbahnhof sind darüber hinaus inzwischen weitere Gabenzäune in der Schanzenstraße bei der Bullerei von Tim Mälzer sowie im Park Fiction auf St. Pauli entstanden.

2. April 2020: Ein Corona-Hilfspaket für Arme fordern jetzt Wohlfahrtsverbände und die Gewerkschaft ver.di per Online-Petition. Innerhalb der ersten 24 Stunden haben bereits rund 20.000 Menschen die Online-Petition „Wir fordern 100 Euro Soforthilfe für Arme in der Coronakrise!“ unterzeichnet.

2. April 2020: In Köln haben Obdachlose ein Haus besetzt. Darin dürfen sie jetzt erstmal bleiben – ganz offiziell.

1. April 2020: Das Jobcenter übernimmt rückwirkend ab 1. März die Kosten für alle Mieter*innen, die kein erhebliches Vermögen haben und die durch die Corona-Pandemie ihre Miete nicht zahlen können. Wer bis einschließlich zum 30. Juni 2020 einen Neuantrag auf Grundsicherung stellt, für den entfällt vorerst sogar die Vermögensprüfung. Eine weitere Besonderheit: Eine Prüfung, ob die Wohnung zu groß oder zu teuer ist, findet nicht statt. Die tatsächlichen Kosten werden sechs Monate lang übernommen.

1. April 2020: Direkt neben dem Millerntorstadion können Obdachlose ab sofort duschen: Das Bäderland-Bad St. Pauli öffnet ab sofort den Duschbereich für Obdachlose jeden Montag, Mittwoch und Samstag von 10 bis 14 Uhr, auch während der Ostertage.

30. März 2020: Ehrenamtliche vom Kreisverband Altona und Mitte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) haben am Samstag kurzerhand einen Zufluchtsort für obdachlose Frauen in Horn errichtet.

26. März 2020: Der Immobilienkonzern Vonovia hat angekündigt, wegen der Corona-Krise vorerst auf Mieterhöhungen zu verzichten und geplante Wohnungsräumungen abzusagen.

24. März 2020: Um die sozialen Auswirkungen der Corona-Krise abzufedern, will die Bundesregierung den Zugang zu Hartz IV und anderen Grundsicherungsleistungen erleichtern.

22. März 2020: Die Bundesregierung plant, Kündigungen wegen Mietschulden wegen der Corona-Krise vorerst zu verbieten.

21. März 2020: Nachdem der städtische Vermieter, die SAGA, schon am Mittwoch angekündigt hat, momentan keine Zwangsräumungen zu veranlassen, ziehen nun auch die Behörden nach. Zwangsräumungen und Stromsperren sind in Hamburg, zumindest in weiten Teilen, ausgesetzt.

20. März 2020: Der Hamburger Wärmeversorger Hansewerk Natur hat angekündigt, wegen der Corona-Pandemie vorerst darauf zu verzichten, Säumigen die Wärmezufuhr zu stoppen.

19. März 2020: Vorerst bis zum 30. April führt Hamburg Wasser keine Sperrungen mehr durch. „Haushalte, deren Wasserzufuhr aktuell gesperrt ist und die sich bei uns melden, werden vorerst wieder entsperrt“, teilt jetzt eine Sprecherin gegenüber Hinz&Kunzt mit.

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